Ausleitungsverfahren

Die Ausleitungsverfahren gehören zu den ältesten uns bekannten Behandlungsverfahren. In allen Volksheilkunden wandte man das eine oder andere Ausleitungsverfahren an.
Zu den Ausleitungsverfahren gehören  Baunscheidtieren, Schröpfen, Blutegelbehandlung, Cantharidenpflaster, Aderlass und Brechverfahren.

Ein Grundprinzip der Ausleitungsverfahren fasst Paracelsus in einem sehr anschaulichen Lehrsatz zusammen: "Wo die Natur einen Schmerz erzeugt, dort will sie schädliche Stoffe ausleeren. Und wo sie dies nicht selbst fertig bringt, dort mach' ein Loch in die Haut und lasse die schädlichen Stoffe heraus."
Und so wird in der Regel auch heute dort ausgeleitet, wo der Organismus etwas angestaut hat.

Beim Ausleiten werden Stauungen im Körper aufgelöst, Schlackenstoffe, die sich im Staugebiet angesammelt hatten, werden über das Blut durch ein Ausscheidungsorgan ausgeschieden. So wird der Organismus entlastet, Funktionsstörungen werden aufgehoben und der Stoffwechsel kann wieder optimal funktionieren.

In der Praxis bedeutet dies, dass nach einer Behandlung oftmals eine sofortige Besserung der Schmerzen oder Beschwerden eintritt, Bei regelmäßiger Wiederholung der Anwendung können die Schmerzen ganz verschwinden.

Die Ausleitungsverfahren gehören zu den Umstimmungs-methoden*: Gesundheit wird dabei aufgefasst als ein harmonisches Fließgleichgewicht im Organismus (Homöostase). Mittels Anwendung eines unspezifischen Reizverfahrens wie z.B. Baunscheidtismus oder Schröpfen, wird der Körper zu einer Reizantwort bewegt, die vom Organismus für ein Wiederherstellen der Homöostase genutzt wird und dadurch Linderung und Heilung bringen kann.

Umstimmungsmethoden werden eingesetzt sowohl zur sinnvollen Prophylaxe als auch zur Behandlung von Krankheiten.

Bei chronischen Erkrankungen wird dabei manchmal ein akutes Wiederaufflammen des Geschehens bewirkt (Erstverschlimmerung) als Voraussetzung für eine Heilung. Es kann zu einer verstärkten Ausscheidung und zum anfänglichen Zunehmen der Beschwerden kommen. Solche Reaktionen sind Teil des Heilungsverlaufs und als Erfolg zu sehen, keinesfalls sollten aus Angst oder falschem Verständnis Unterdrückungsmaßnahmen ergriffen werden.

Auch als Begleit- oder Zusatztherapie zu anderen Behandlungsmethoden sind Ausleitungsverfahren / Umstimmungsmethoden besonders geeignet. Vor allem, wenn ein Heilungserfolg mittels anderer Therapien ausbleibt, kann eine solche Anwendung den Weg frei machen, indem ein gestautes Gebiet entlastet wird, eine Umstimmung* stattfindet, so dass es wieder reagieren kann auf Therapieanstöße.

Methoden der Ausleitungsverfahren:

Baunscheidt-Behandlung / Baunscheidtismus
Das Baunscheidtverfahren wurde von Carl Baunscheidt (1809-1873) entwickelt, Anlass war sein Gichtleiden, das er mit der Methode äußerst erfolgreich behandeln konnte. Dies und zahlreiche andere Behandlungserfolge haben seitdem für eine große Verbreitung der Methode gesorgt.
Das Baunscheidt-Gerät hat einen Behandlungs-Kopf mit rund 20 Nadeln. Mit leichter Federkraft schnellt dieser auf die Haut und erzeugt so 0,5-1mm tiefe, kleine Löcher in der aderlosen Oberhaut (deshalb blutet es auch nicht). Mit wiederholten Nadelungen können im Rahmen einer einzigen Behandlung bis zu handgroße Hautflächen genadelt werden.
Dies ist nur leicht schmerzhaft, häufig wird die Behandlung sogar als eher angenehm empfunden. Nach der Nadelung wird eine spezielle Mixtur, das Baunscheidtöl, auf die Haut aufgebracht. Dieses Öl bewirkt eine Erwärmung der Haut. Die Haut rötet sich, es können sich Hautquaddeln bilden. Diese Reaktionen sind erwünscht. Der leichte Eingriff in das Lymphsystem bewirkt eine Entgiftung und Entschlackung sowie eine Tiefendurchblutung des Bindegewebes.

Anwendungsgebiete für Baunscheidtismus sind u.a.

  • Arthrose
  • Arthritis
  • Gicht
  • Posttraumatische Beschwerden (Rippenprellungen, Schleudertrauma, etc.)
  • Bandscheibenleiden
  • Schulter-Arm-Syndrom
  • Sehnenscheidenentzündung
  • Neuralgien, z.B. Trigeminus, Ischias
  • Schwindel
  • Tinnitus
  • Migräne, Spannungskopfschmerz


Eine Baunscheidt-Behandlung kann auch zu einer Verbesserung des Allgemeinbefindens führen, weshalb man diese Therapie auch „Lebenswecker" nennt.


Schröpfen
Schröpfen ist eine mehr als 5000 Jahre alte Therapieform. Sowohl griechische und ägyptische Ärzte wandten sie an, als auch in ähnlicher Form die alten Chinesen. Mit Hilfe von Schröpfköpfen werden an bestimmten Körperzonen positive Reize durch Unterdruck gesetzt. Dadurch werden die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert und eine Umstimmung* erreicht. Schröpfzonen befinden sich hauptsächlich auf dem Rücken, sie liegen entweder im Segment des erkrankten Organs, auf Akupunkturpunkten oder auf einer Reflexzone.
Man unterscheidet zwischen blutigem und unblutigem Schröpfen. Bei beiden Methoden wird ein Schröpfglas evakuiert und auf das entsprechende Gebiet der Haut aufgesetzt.

Das blutige Schröpfen wird angewandt, wo sich sogenannte heiße Gelosen (in etwa eine Blutfülle) finden. Dabei werden pralle Zonen entlastet. Für das blutige Schröpfen muss die Haut zunächst mittels Schröpfschnepper angeritzt werden, so dass sich das vakuumierte Schröpfglas mit Blut füllen kann.

Das unblutige oder trockene Schröpfen kommt über den sogenannten kalten Gelosen (in etwa ein Leerezustand) zur Anwendung. Dort soll ein Mangel ausgeglichen werden.

Eine Sonderform des Schröpfens ist die Schröpfkopfmassage, deren Weiterentwicklung die Petechiale Saugmassage (PSM) darstellt. Bei der Petechialen Saugmassage wird anstelle des Schröpfglases, ein Gerät verwendet, das an einem Metallaufsatz ein Vakuum erzeugt.

Die Indikationen sind sehr vielfältig.

  • Nicht akut entzündliche Schmerzzustände
  • Funktionelle Organbeschwerden
  • Neuralgien, rheumatischer Formenkreis
  • LWS-, BWS-, HWS-, Schulter-Arm-Syndrom
  • Posttraumatische Spätfolgen
  • Narbenstörfelder etc.


Das Schröpfen ist eine eigenständige Therapieform, die sich aber gut mit anderen Therapien wie z.B. Dorn/Breuß kombinieren läßt. Nicht geschröpft werden darf bei Erkrankungen mit Blutungsneigung und akuten Entzündungen des betreffenden Hautgebietes.

*Umstimmung: Veränderung der vegetativen Tonuslage des Organismus. Da jede Erkrankung mit einer Störung der Funktion beginnt, kommt es zu vegetativen Fehlsteuerungen. Dies geschieht sehr lange bevor eine organisch manifestierte Erkrankung eintritt. Um die Fehlsteuerung zu beseitigen, verabreicht man einen geeigneten Reiz, der den Organismus umstimmen soll, so daß die Funktionsstörung beseitigt wird.

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